Der Weg zur Adipositas-Operation

Auf der Seite des Deutschen Zentrums für Ernährung finden Sie einen Rechner, mit dem Sie Ihren BMI bestimmen können. Bei einem BMI von 30 und mehr liegt eine Adipositas vor. Das Bedeutet, dass das Körpergewicht negative Auswirkungen auf Ihre Gesundheit hat. Ab einem BMI von 40 kg/m² ist eine Behandlung sehr sinnvoll, weil gesundheitliche Nachteile fast unausweichlich sind. 

Erster Schritt: Mit anderen Betroffenen sprechen

Bevor man sich in einem Adipositas-Zentrum zur Beratung anmeldet, möchte man vielleicht gern mit Leidensgenossen sprechen, sich anderer Leute Erfahrungen schildern lassen und Menschen kennenlernen, die sich schon haben operieren lassen. Dies kann man idealerweise in einer

Adipositas-Selbsthilfegruppe tun. In Krefeld haben wir gemeinsam mit unseren Patienten eine besondere Gruppe ins Leben gerufen: den „Bariatric Club“. Hier treffen sich operierte und (noch) nicht operierte Menschen mit Adipositas zum Erfahrungsaustausch. Jeder ist willkommen.

 

Einen Überblick über die Selbsthilfegruppen in Krefeld und Umgebung finden Sie hier

Zweiter Schritt: Anmeldung zum Informationsgespräch 

Wenn Sie die Chirurgische Behandlung ihrer Adipositas ernsthaft in Erwägung ziehen, sollten Sie sich an die Koordinatorin des Adipositas-Zentrums wenden und einen Termin für ein Informationsgespräch machen. Im Gespräch mit einer Ärztin / einem Arzt des Adipositas-Zentrums (bei uns Frau Dr. Johnen) wird geklärt, ob eine Operation für Sie eine sinnvolle und empfehlenswerte Behandlungsmöglichkeit darstellen kann. Bei diesem Gespräch bekommen Sie alle Kontaktdaten, die Sie benötigen (Psychologen, Ernährungsmediziner, Ernährungsberaterinnen, Sportmöglichkeiten, Chirurg). 

Dritter Schritt: Das multimodale Konzept

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Adipositas-Operation nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. 

  • 6 Monate Ernährungsberatung bei einer Ernährungsfachkraft 
  • Gesteigerte körperliche Aktivität in zwei Stunden pro Woche 
  • Psychologisches Gutachten

Die Ernährungsberatung kann in einer ernährungsmedizinischen Praxis erfolgen oder bei einer Ernährungsfachkraft, die mit dem Adipositaszentrum kooperiert. 

Mehr zum Thema Ernährungsberatung

 

Die körperliche Aktivität kann zum Beispiel über ein REHA-Sport-Rezept nachgewiesen werden, über einen Schrittzähler oder über Stempel einer Sporteinrichtung wie Schwimmbad oder Fitness-Studio.

 

Für das Gutachten nennen wir Ihnen Psychologen und Psychiater, die Erfahrung mit Adipositas-Patienten haben.

 

Für Patienten mit einem BMI von 50 und mehr gilt eine Sonderregelung: Die Vorbereitungszeit kann auf drei Monate verkürzt werden und - noch wichtiger - eine Antragstellung bei der Krankenkasse ist nicht erforderlich.

Vierter Schritt: Die Antragstellung bei der Kasse

Im Anschluss an die sechsmonatige Vorbereitung wird der Antrag bei der Krankenkasse gestellt. Dafür sollten Sie einen Termin beim Chirurgen machen, in unserem Fall also Herrn Carolus. Er sichtet Ihre Unterlagen:

  • Ernährungsmedizinische Beurteilung
  • Psychiatrisches / psychologisches Gutachten
  • Nachweis der gesteigerten körperlichen Aktivität·
  • Zusätzliche Atteste behandelnder Ärzte (Hausarzt, Kardiologe, Orthopäde)
  • eventuell Bestätigung der Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe

Darüber hinaus formuliert der Chirurg eine Stellungnahme zur Begründung der Operations-notwendigkeit. Diese Unterlagen werden bei der Kasse eingereicht. Innerhalb von 4 Wochen muss die Kasse antworten. Ablehnungen gibt es nur bei Formfehlern. Widerspruch gegen eine Ablehnung lohnt immer. Letztlich geht fast jeder Antrag durch, den wir als Fachleute unterstützen.

Fünfter Schritt: Der Operationstermin

Sobald die Kasse die OP genehmigt hat, kann ein Operationstermin vereinbart werden. 10 bis 14 Tage vor der OP beginnen Sie mit der „Flüssigphase“: Sie ernähren sich nur noch von selbst gemachten Süppchen, für die wir Ihnen Rezepte geben. Dadurch nimmt das Fett im Bauch ab, die Leber verkleinert sich und die Operation gelingt leichter.

Sechster Schritt: Nach der Operation

Im Krankenhaus werden Sie keine Lust auf eine opulente Mahlzeit haben: Trinken ist genug. Zuhause werden Sie zwei Wochen lang weiter bei flüssiger Kost bleiben, bis die inneren Nähte verheilt sind. Dann beginnt die Phase des Kostaufbaus. Auch hierfür haben

Sie im Vorfeld reichlich Tipps und Rezepte bekommen. Das Hungergefühl wird stark vermindert sein und sie werden schon mit einer winzigen Portion satt. Auch für die Zeit nach der OP wird Ernährungsberatung angeboten. Ab der fünften Woche nach OP sollten Sie mit der Einnahme von Multivitamin-Mineralstoffpräparaten (MVM) anfangen. Blutabnahmen zur Kontrolle der Stoffwechsel- und Vitaminwerte sind erforderlich nach drei, sechs und zwölf Monaten. Langfristig sollte dann eine Blutabnahme im Jahr erfolgen, idealerweise in einer ernährungsmedizinischen Praxis mit Erfahrung in der bariatrischen Chirurgie.