Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente

Nach einer Magenbypass- oder Schlauchmagenoperation ist mit Mangelerscheinungen fest zu rechnen. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität können katastrophal sein. Deshalb ist es unbedingt notwendig, Präparate mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen einzunehmen. Dies sollte mit einem Spezialpräparat für bariatrisch operierte Patienten geschehen. Es gibt drei Anbieter solcher Präparate, nämlich die Firmen „fitforme“, „Celebrate“ und „Bariatric Advantage“. In der Apotheke erhält man die Spezialpräparate nicht. Nimmt man stattdessen Standard-Vitaminpräparate, die ja für nicht magenoperierte gesunde Menschen konzipiert sind, muss man folgende Mikronährstoffe zusätzlich einnehmen: Vitamin A, Vitamin B 12, Vitamin D, Folsäure, Eisen, Kupfer, Zink, Selen. Nicht alle Mangelzustände lassen sich durch Laboruntersuchungen erfassen. Wir sind deshalb der Ansicht, dass Patienten nach bariatrischer Operation nicht versuchen sollten, ihre Mikronährstoff-Supplementation selbst zusammenzustellen. Beim Vergleich von Standard-Multivitamin-Mineralstoffpräparaten vom Discounter mit dem tatsächlichen Bedarf von Magenoperierten zeigen sich folgende Probleme:

  • Vitamin A: Erheblich unterdosiert! Die Leitlinie empfiehlt 5000-10000 Einheiten täglich (1,5 bis 3,0 mg). Ein Multivitaminpräparat vom Discounter enthält z. B. 660 Einheiten (0,2 mg).
  • Vitamin D: Erheblich nterdosiert! Die Leitlinie empfiehlt 3000 Einheiten täglich (75 mcg). Ein  Multivitaminpräparat vom Discounter enthält z. B. 200 Einheiten (5 mcg).
  • Vitamin B12: Erheblich unterdosiert! Der tägliche Bedarf eines Menschen ohne Magenoperation liegt bei 2,5 mcg. Diese Menge ist in einem üblichen Multivitaminpräparat enthalten. Nach einer bariatrischen OP ist die Aufnahme des Vitamin B12 aus dem Darm aber so stark verringert, dass eine Menge von 340 bis 1000 mcg erforderlich ist. Alternativ kann B12 auch monatlich bis dreimonatlich gespritzt werden.
  • Folsäure: Unterdosiert. Die Leitlinie empfiehlt 600 mcg Folsäure täglich, das Standardpräparat enthält 200 mcg pro Tagesdosis. Besonders für Frauen mit Kinderwunsch ist eine gute Folsäure-Zufuhr anzustreben um Missbildungen des Rückenmarks zu verhindern.
  • Zink: Unterdosiert! Die Leitlinie empfiehlt die tägliche Einnahme von 8 bis 15 mg / Tag ohne Laborkontrollen. Dies entspricht in etwa dem ganz normalen Bedarf, auch ohne Magenoperation. Diese Menge ist aber in einem Standard-Vitaminpräparat nicht enthalten. Standard-Vitaminpräparate enthalten meist etwa 2 mg Zink pro Tagesdosis.
  • Selen: Unterdosiert! Supplemente sollten auch Selen enthalten. Eine wissenschaftlich belegte Dosis-Empfehlung gibt es nicht. Für nicht am Magen Operierte liegt der Tagesbedarf bei mindestens 70 mcg / Tag. Diese Menge ist in Standardpräparaten in der Regel nicht enthalten.
  • Kupfer: Fehlt im Standardpräparat vollständig. Die Leitlinie empfiehlt eine Zufuhr von 2 mg täglich ohne Laborkontrollen.
  • Eisen: Fehlt vollständig. Zur Verhinderung eines Eisenmangels ist insbesondere nach Magenbypass die tägliche Einnahme von 45 bis 60 mg erforderlich. Frauen mit regelmäßiger Menstruation brauchen 50 bis 100 mg täglich. Wenn schon ein Eisenmangel besteht, werden 100 bis 200 mg Eisen täglich benötigt.
  • Kalzium: Alle handelsüblichen Kalziumpräparate enthalten Kalzium als Karbonat. Dieses kann im Darm operierter Patienten nicht richtig aufgenommen werden, weil zu wenig Magensäure zur Verfügung steht. Die Leitlinie empfiehlt die Einnahme von Kalziumzitrat, welches sich auch ohne Magensäure gut im Darm auflöst. Es wird die Einnahme von 1000 mg reinem Kalzium empfohlen. Kalziumzitrat kann man auch als Pulver kaufen. Bei der Einnahme ist zu beachten, dass 1 g des Pulvers 210 mg reines Kalzium enthalten. Für eine tägliche Mindestmenge von 1000 mg reinem Kalzium muss man also etwa 5 g des Kalziumzitratpulvers täglich nehmen.
Fazit: Die bedarfsgerechte Versorgung des Körpers mit Mikronährstoffen ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Wenn behauptet wird, Patienten nach Bypass-Chirurgie könnten ihren Bedarf mit preiswerten Präparaten vom Discounter decken, so ist dies als fahrlässige Vereinfachung einzustufen, die zu Gesundheitsgefahren führen kann.
Am sichersten ist die Einnahme von Spezialpräparaten der o. g. Firmen in Verbindung mit regelmäßigen Laborkontrollen bei einem Arzt, der über ausreichendes theoretisches Wissen und praktische Erfahrung in der Nachsorge bariatrischer Patienten verfügt.

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Vitamine und Mechanismen
Folien des Vortrags von Dr. Ulrich Faure in der Selbsthilfegruppe "Bariatric Club" am 08.08.2019
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